Zur jüngeren Geschichte der Ardennenbracken

(ad) Die Ardennenbracken stellten Vertreter der Urform der jagenden Hunde dar. Bis 1959 gibt es Belege über die Existenz von Hunden der Rasse Ardennenbracke in Belgien, Frankreich und Deutschland. 1958 und 1959 wurden Ardennenbracken auf Prüfungen des Verein Hirschmann geprüft (1). Diese Hunde waren damals 1 Jahr alt.
SKH Herzog Albrecht von Bayern hielt zu dieser Zeit schwarz-rote Ardennenbracken, die aus Belgien stammten, in seiner Meute.

Nach 1959 ist eine Fortführung der Herkunftsnachweise bis zum Wiederaufleben der Zucht etwa in den 70iger und 80iger Jahren leider nicht möglich. Der Wiederbeginn der Zucht ist nicht dokumentiert.

Wenngleich der Nachweis nicht geführt werden kann, dass die heutigen Ardennenbracken, die seit etwa 35 Jahren gezüchtet werden und als Brackenschlag gelten, mit den Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts letztmalig nachgewiesenen Ardennenbracken direkt verwandt sind, so sind doch einige Merkmale der Hunde auffallend und treten ziemlich gesichert auch in Verbindung mit dem phänotypischen Erscheinungsbild bei den heutigen Ardennenbracken als gemeinsame Eigenschaften auf.
Der abgebildete Hund ist "Phoebus von der Ebenlaithe". Die Aufnahme stammt vermutlich aus 1959; der Hund war damals wohl 2 1/2 Jahre alt. Die Quelle des Fotos ist leider nicht bekannt.

Hund Besonders fällt ins Auge, dass die heutigen Ardennenbracken wie auch die früheren große Wasserfreude haben und auch gerne aus dem Wasser bringen, was man bei den meisten anderen Bracken nicht so weit verbreitet findet.
Beschreibungen von Verhalten und Körpermaßen in der älteren Literatur findet man bei den heutigen Ardennenbracken bestätigt (2). Ardennenbracken sind nicht extreme Weitjager, haben eine gute Führerbindung und das brackentypische gute Rückfindevermögen nach einer Hetze. Sie jagen spurlaut oder mindestens sichtlaut. Ihre große Fährtentreue macht sie bei richtiger Ausbildung zu perfekten Nachsuchenhunden.

Alf_titelseiteAuch die Eigenschaft, während der Jagd große Leistungen zu vollbringen, dann danach aber und in der jagdruhigen Zeit sich in der Familie ruhig zu verhalten und nicht dauernd Aktivitäten zu fordern, macht den Umgang mit diesen Hunden sehr angenehm. Wichtig ist dabei aber auch immer, die Hunde (und hier besonders die Rüden) ausreichend körperlich und geistig zu beschäftigen.
Ein gewisser Eigensinn, besonders bei den Rüden, fordert vom Ausbilder und Hundeführer Geduld und Einfühlungsvermögen bei der Erziehung.
Wenn der richtige Weg gefunden ist, hat man den idealen Jagdbegleiter sowohl für die Nachsuche auf alle Wildarten als auch für den Einsatz auf den Bewegungsjagden.
Die heutigen Ardennenbracken sind jagdliche Arbeitshunde und haben als Hochwildjagdhunde viel Herz und Passion; sie sind leistungsstark, führerbezogen und familienfreundlich. Der Brackenschlag Ardennenbracke soll in seiner Qualität erhalten und durch Blutauffrischungswürfe mit vom Typ geeigneten und gesunden Bracken anderer Rassen gesichert werden.


Quellennachweise und weitere Abbildungen:
(1) Chronik Verein Hirschmann, 1958, S. 294 und 1959.
(2) Grundsätzliches aus den Bereichen der jagdlichen Verhaltensweisen der Hunde und des Verhaltens der Hunde in der Familie deckt sich mit Beschreibungen der alten Ardennenbracken aus der jagdkynologischen Literatur.
Einiges hierzu findet man im Schweizerischen Hunde-Stammbuch der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, Band VI – 1896, S. 111 ff; Hrsg. Max Siber, Winterthur, Zollikofersche Buchdruckerei, St. Gallen, in dem der St. Hubertushund beschrieben wird.
(3) Historische Zeichnungen eines Hubertushundes und private Fotos von verwandeten Bracken und Ardennenbracken liegen dem Verein vor. Allerdings können diese Dokumente wegen unklarer Quellen leider nicht auf der Homepage des Vereins Ardennenbracke e. V. gezeigt werden.
(4) Auch in Finnland gibt es eine Seite zu den Ardennenbracken, die ebenfalls weitere Abbildungen enthält.
(5) Wild und Hund, Heft 17, Seite 33ff., vom 1. September 2016; Verlag Paul Parey